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4 Veränderungen in der Pflege 2022, die Sie kennen sollten

Vier Veränderungen in der Pflege in 2022: Pflegesachleistungen, Kurzzeitpflege, vollstationäre Pflege und digitale Pflegeanwendungen
Veränderungen in der Pflege im Überblick: 2022
2022 wird ein veränderndes Jahr für die Pflege - insbesondere durch verschiedenste neue Zuschüsse, die Sie nicht verpassen sollten. Wir berichten über die Erhöhung von Pflegesachleistungen und Kurzzeitpflege, den Zuschlag für die vollstationäre Pflege bis hin zur Erstattung von Pflege-Apps.

Inhaltsverzeichnis

  • Pflege 2022 - ein Überblick
  • Erhöhung der Pflegesachleistungsansprüche
  • Erhöhung des Kurzzeitpflegebudgets
  • Leistungszuschlag für die vollstationäre Pflege
  • Digitales Zusatzbudget (DiPA): Zusätzlich Geld erhalten für Apps & mehr
  • Fazit

Pflege 2022 - ein Überblick der Änderungen

Wieder bevorstehende Veränderungen in der Pflege in 2022.
Sie haben jedoch nicht die Zeit, sich in lange Texte der Pflegebürokratie einzulesen, aber wollen auch keine Ansprüche verpassen?
Kein Problem - das Team von MehrPflegegeld.de möchte Sie über die wichtigsten Neuerungen in der Pflege in 2022 informieren, damit Sie bestens Bescheid wissen und mit Klarheit über Ihre Ansprüche in das neue Jahr starten können.

Bereits unter der vergangenen Bundesregierung wurden die folgenden Neuerungen verabschiedet, welche nun zum 01.01.2022 in Kraft treten. Die 4 größten Neuerungen in 2022 für alle Pflegebedürftigen stellen wir in diesem Artikel kurz und bündig dar und erläutern, wie Sie diese für sich nutzen können:

1) Erhöhung der Pflegesachleistungsansprüche
2) Erhöhung des Kurzzeitpflegebudgets
3) Leistungszuschlag für die vollstationäre Pflege
4) Zusatzbudget für digitale Pflegeanwendungen
Vier Veränderungen in der Pflege in 2022: Pflegesachleistungen, Kurzzeitpflege, vollstationäre Pflege und digitale Pflegeanwendungen
Übersicht zu den vier größten Veränderungen in der Pflege in 2022: Pflegesachleistungen, Kurzzeitpflege, vollstationäre Pflege und digitale Pflegeanwendungen

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1) Erhöhung der Pflegesachleistungsansprüche


Ab dem ersten Januar 2022 steigen die Sachleistungsansprüche der Pflegegrade 2-5 um 5 Prozent. Für Pflegeempfänger mit Pflegegrad 1 gibt es weiterhin keinen Sachleistungsanspruch.

Mithilfe des erhöhten Budgets für Pflegesachleistungen können die von Pflegediensten erbrachten Leistungen bezahlt werden. Dazu zählen z.B. körperbezogene Pflegemaßnahmen, pflegerische Betreuungsmaßnahmen sowie Hilfe bei der Haushaltsführung.

Durch die Erhöhung der Sachleistungsansprüche kommt die Gesundheitskommission der Bundesregierung der Forderung nach, Pflege in der Häuslichkeit mit mehr finanziellen Mitteln auszustatten.

In der folgenden Übersicht sehen Sie, wie sich die Erhöhung des Sachleistungsanspruchs auf die jeweiligen Pflegegrade auswirkt.

Hierbei zu beachten ist, dass zwar die Ansprüche der Sachleistungen angehoben worden sind, die Ansprüche auf das Pflegegeld jedoch weiter davon unberührt bleiben.
Veränderung der Pflegesachleistungen in 2022 je Pflegegrad
Veränderung der Pflegesachleistungen in 2022 je Pflegegrad

2) Erhöhung des Kurzzeitpflegebudgets

Ein zweiter Baustein, um den pflegerischen Alltag in der Häuslichkeit zu entlasten, ist die Anhebung des Kurzzeitpflege-Budgets um 10 Prozent zum 01.01.2022.

Mithilfe des Budgets zur Kurzzeitpflege können pflegende Angehörige durch die kurzfristige Unterbringung Pflegebedürftiger in stationäre Einrichtungen, wie z.B. Pflegeheime, entlastet werden. Kurzzeitpflege kann zum Beispiel als Überbrückungsunterstützung bei Krankheit, Unfall oder nach einem Krankenhausaufenthalt der pflegebedürftigen Person oder des pflegenden Angehörigen in Anspruch genommen.

Somit erhöht sich der bisherige Anspruch von 1.612 Euro auf 1.774 Euro. Die Anpassung des Kurzzeitpflegebetrages erfolgt automatisch und ist nicht gesondert beantragungspflichtig.

Zudem haben Sie nach wie vor Anspruch auf den Umwandlungsbetrag in Höhe von 806 Euro aus Ihrem Verhinderungspflegebudget.

Hierbei ist wichtig zu erwähnen, dass sich an der Budgethöhe der Verhinderungspflege nichts ändern wird. Nach wie vor gilt: Anspruch auf 1.612 Euro Verhinderungspflege nach §39 und der Möglichkeit zur Umwandlung von 806 Euro aus Ihrem Budget der Kurzzeitpflege.

3) Leistungszuschlag für die vollstationäre Pflege

Einer der dringlichsten Aufgaben der Bundesgesundheitskommission war es, die steigenden Eigenanteile bei einer stationären Pflege zu “deckeln”.

Hintergrund: Da sich die Kosten in einer stationären Pflege in den letzten Jahren stark erhöht haben, wurden die zu leistenden Eigenanteile bei einer langjährigen Unterbringung zu einer finanziellen Belastung für viele Pflegebedürftige und deren Familien. Daher soll dieser beschlossene Zuschlag dem Negativtrend entgegenwirken.

Der Zuschlag durch die Pflegekasse für den zu leistenden Eigenanteil ist gekoppelt an der Dauer des Aufenthalts:

  • bis zu 12 Monate: Zuschlag von 5%
  • mehr als 12 Monate: Zuschlag von 25%
  • mehr als 24 Monate: Zuschlag von 45%
  • mehr als 36 Monate: Zuschlag von 70%

Hierbei ist zu beachten, dass sich dieser Zuschlag nur auf den Eigenanteil der Pflegekosten bezieht. Ausgenommen sind Unterkunfts- und Verpflegungskosten, sowie etwaige Investitionskosten und Ausbildungsumlagen.

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4) Zusatzbudget für digitale Pflegeanwendungen (DiPA)

Ab dem 01.01.2022 steht jedem Versicherten mit einer Pflegegradeinstufung ein neu geschaffenes Budget zur Verfügung. Die Bundesregierung sowie die Pflegekassen verständigten sich auf einen monatlichen Betrag von bis zu 50 Euro, welche die Kosten einer digitalen Pflegeanwendung, kurz DiPA, übernimmt.

Was versteht man unter digitale Pflegeanwendungen?

Digitale Pflegeanwendungen können nützliche Apps oder browserbasierten Web-Lösungen sein, die Sie im Kontext der Pflege unterstützen sollen. Konkret gesagt haben diese das Ziel, pflegenden Angehörigen, Pflegenden sowie Pflegebedürftigen den pflegerischen Alltag zu erleichtern als auch die Lebensqualität der Pflegebedürftigen zu verbessern.

Welche Leistungen kann man von den sogenannten digitalen “Pflegehelfern” erwarten?

Die Anwendungsfelder für Pflegeanwendungen sind vielfältig und sollten einen pflegerischen Nutzen nachweisen. Zu den Anwendungsfeldern zählen zum Beispiel:

  • Organisation: Unterstützung in der Organisation & Bewältigung des pflegerischen Alltags (z.B. Erinnerungen für die pünktliche Medikamenteneinnahme)
  • Kommunikation: Lösungen zur verbesserten Kommunikation zwischen den Beteiligten wie z.B. Angehörigen und Pflegefachkräften
  • Gesundheit: Stabilisierung bzw. Verbesserung des Gesundheitszustandes durch körperbezogene oder kognitive Übungen (z.B. Gedächtnisspiele gegen Demenz)
Da nach Startdatum die ersten digitalen Pflegeanwendungen erstmal staatlich geprüft und genehmigt werden müssen, rechnen Experten mit den ersten Angeboten im zweiten Quartal 2022.

Digitale Anwendungen können Pflegebedürftige begleiten und einen Beitrag dazu leisten, dass diese ihren Pflegealltag auch in der Interaktion mit Angehörigen und ambulanten Pflegediensten besser organisieren und bewältigen können.
[...]
Sie können von den Pflegebedürftigen genutzt werden, um den eigenen Gesundheitszustand durch Übungen und Trainings zu stabilisieren oder zu verbessern (z.B. Sturzrisikoprävention, personalisierte Gedächtnisspiele für Menschen mit Demenz, Versorgung von Menschen mit Dekubitus) oder die Kommunikation mit Angehörigen und Pflegefachkräften zu verbessern [...]

Bundesministerium für Gesundheit
Idee, Anspruch, Ziel und Anwendungsbereiche der digitalen Pflegeanwendung (DiPA)
Digitale Pflegeanwendung zusammengefasst: Idee, Anspruch, Ziel und Anwendungsbereiche

Fazit

Wie lassen sich die Pflegeneuerungen für 2022 letztendlich zusammenfassen?

  • Die ambulante Versorgung in der Häuslichkeit wurde durch die Anhebung der Pflegesachleistungen, sowie die Erhöhung des Kurzzeitpflegebudgets gestärkt. Ihnen stehen dadurch erhöhte finanzielle Mittel zur Verfügung, um die häusliche Pflege weiterhin zu gewährleisten bzw. Ihren finanziellen Mehraufwand abzufedern.
  • Inwieweit jedoch die zahlreichen Versorgungsanbieter Ihre Preise anpassen, ist nicht absehbar, wodurch gegebenenfalls die Anpassungen verpuffen könnten.
  • Eine definitive Verbesserung ist die Deckelung der Pflegekosten bei einer stationären Unterbringung. Durch die gestaffelte Beteiligung der Pflegekassen an den steigenden Pflegekosten bei einer Heimunterbringung, sparen Pflegebedürftige und deren Angehörige bares Geld. Somit kommt das Bundesministerium den langjährigen Wunsch der Betroffenen nach, sich finanziell an den Kosten zu beteiligen.
  • Die Schaffung des digitalen Zusatzbudgets für digitale Pflegeanwendungen ist eine spannende Investition in die digitale Zukunft der Pflegebranche. Durch den finanziell geschaffene Anreize erhofft man sich, dass Betroffene als auch Pflegedienstmitarbeiter diese verstärkt in Anspruch nehmen. Wir werden sehen, ob in 2022 dieses Angebot angenommen wird. Bis dahin halten wir Sie natürlich bis dahin auf dem Laufenden. Sollten Sie bis dahin Fragen oder Anregungen haben, kontaktieren Sie uns gerne.

Ihr Team von MehrPflegegeld.de

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